Donnerstag, 25. Mai 2017

Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit

In den letzten Tagen sind mir viele Gedanken zu meinen Näh- und Bekleidungsgewohnheiten gekommen. Auslöser war vielleicht, dass ich meine Sommersachen rausgekramt habe und meine Wintersachen nun eingelagert sind. Dabei viel mir auf: Ich habe jede Menge Teile, die nicht zusammenpassen, manches ist mir über die Wintermonate einfach zu eng geworden, weil sich mein Körper verändert hat. Anderes gefällt mir nicht mehr. Insgesamt sieht die traurige Bilanz folgendermaßen aus: Ich habe viel zu viele Kleidungsstücke und trotzdem stehe ich jeden morgen vor dem Schrank und weiß nicht, was ich anziehen soll.

Jede Woche erscheinen neue, meist wild gemusterte Stoffe, die mich irgendwie aufs Neue ansprechen. Mein Stoffschrank ist voll bis untern Rand. Neue Schnittmuster haben in meiner Sammlung eigentlich keinen Platz mehr. Mein Sammeltrieb schränkt mich zunehmend in meinem Lebensraum ein. Ich nähe aus Spaß, jedoch muss ich mich endlich einmal fragen: Brauche ich eigentlich noch mehr Kleidung? Dass unsere Shopping-Kultur in pucto Nachhaltigkeit zunehmend kritisch hinterfragt wird, ist nicht neu. Wie sieht es mit unserer Nähkultur aus?

Liebe RUMS-Schneiderinnen,
ihr zeigt jede Woche neue Schnitte und Stoffe, ihr näht für diverse Stoffanbieter ... Wie sieht es eigentlich in euren Kleiderschränken aus? Reicht es nicht auch bei euch irgendwann? Wie geht ihr damit um?

Sehr inspiriert hat mich folgendes Berliner Kindermode-Label, auf das mich eine Freundin aufmerksam gemacht hat: www.petit-cochon.de
Mir gefällt dabei der Ansatz, dass die Schnitte den Kindern über mehrere Jahre hinweg passen. Teilweise werden Kleidchen zu Hemdchen umfunktioniert und vom Prinzip der Krempelbündchen wird reichlich Gebrauch gemacht. Die Farben lassen sich alle untereinander kombinieren, Muster nur sehr dezent eingesetzt. Auf diese Weise kann die Kleidung auch unter Geschwisterkindern getauscht werden und es passt immer alles zusammen.

Wenn ich mich in der Nähszene umsehe, finde ich davon wenig: Kaum Anbieter konsequent mitwachsender Schnitte, keine Hersteller von Stoffserien, die sich über Jahre hinweg in Farbe und Mustern entsprechen. Weder für Kinder, noch für Erwachsene. Stattdessen: Wilde Muster allerorten, immer Neues, immer wieder neu Kaufen und Weiternähen. Dabei finde ich gerade das Nähen für Kinder so höchst fragwürdig, weil die Teile so kurz passen. Aber scheinbar gilt das Gleiche auch für meine eigene Garderobe. Ist das Thema "nachhaltiges Nähen" so wenig bei uns angekommen? Brauchen wir nicht ein grundsätzliches Umdenken? Warum Biostoffe und GOTS wenn sich aber unser Kauf-Verhalten nicht damit verändert?

Was meint ihr dazu? Ich freue mich über Ratschläge und Hinweise!!!

Und nur der Form halber hier noch ein Shirt, das ich schon letztes Jahr für den Sommer gemacht habe. Ich habe das erste Mal das geniale Ziergarn Amann Mettler Silk-finish cotton eingesetzt und liebe den matten Charakter.







Verlinkt bei:RUMS




Kommentare:

  1. Ich habe mich in deinem Text wiedergefunden. Manchmal schäme ich mich richtig für meine Stoffberge und den vollen Schrank, bei dem ich nicht alles anziehe. Ich hoffe, ich finde bald eine Strategie für mich, mit der ich besser umgehen kann. Das Shirt mag ich!

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  2. Danke für deinen guten Artikel. Ich gebe Dir bei vielem recht, aber beim Nähen für Kinder muss ich widersprechen. Ich nähe hier immer mit MitwachsOption. Aus Kleidern werden Tunikas, Langarmshirts werden vom Longshirt mit umgeschlagenen Bündchen am Arm zum Pullover, Mitwachshose von Buntspechte passen gerne ein ganzes Jahr und länger, wenn sie so lange durchhalten. Die Pumphose RAS wächst erst mit und kann später noch als 3/4 Hose getragen werden. An Hosen aus Webware kann immer eine Umschlagoption mit angenäht werden. Kaufkleidung ist hier oft nicht so durchdacht. Daher Danke für den Link auf das clevere Label.

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    1. Dein Shirt gefällt mir natürlich auch. Unifarben und toll kombinierbar.

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  3. Liebe Stephanie,

    Vielen Dank für diesen kritischen Artikel. Die Nähszene entwickelt sich auch nach meinem Empfinden immer rasanter und es ist manchmal gar nicht so leicht nicht jeden Trend mitzumachen. Auch ich versuche möglichst nachhaltig zu nähen und Kombinationsmöglichkeiten zu nutzen. Z.B. näh ich für mich nur noch unifarbene Pullis, Jacken, Cardigans etc, damit ich sie mit wildgemusterten Shirts ebenso gut kombinieren kann wie mit Basics.
    Zum Thema Nähen für Kinder gibt's ne ganz einfache Lösung: viele Kinder haben und immer eine Nummer zu groß nähen. Heiß geliebte Klamotten werden dann eh gern getragen bis sie eine Nummer zu klein sind (-: und dann “nach unten“ weitergegeben.
    Bei selbstgemachtem ist die Passform wirklich kindgerecht und meine drei Mädels laufen (im Gegensatz zum gesamten restlichen weiblichen Kindergarten) nicht nur in pink herum...

    Viele Grüße aus dem Allgäu, Britta

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  4. Gerade bin ich über Deinen Beitrag "gestolpert" - er spricht mich sehr an. Ich habe letztes Jahr meinen Kleiderschrank rigoros aussgemistet, nach der 4. Stillzeit habe ich ziemlich abbenommen, mir hat das meiste also eh nicht mehr gepasst und einige Sachen waren auch uralt und einfach nicht mehr schön. Ein paar andere waren selbstgenäht und am Ende doch nie getragen - damals ging es mir nämlich auch so, dass ich einfach genäht habe, weil ich den Stoff toll fand, dann aber letztlich der Schnitt doch gar nicht so richtig zu mir gepasst hat, usw....

    Das Thema Nachhaltigkeit ist mir schon lange sehr wichtig und genau aus diesem Grund nähe ich schon seit längerer Zeit nicht mehr, nur weil es mir gerade Spaß macht, sondern in erster Linie das, was ich (wir) brauche(n). Im Moment habe ich tatäschlich nur 2 T-Shirts, ich BRAUCHE als wirklich welche und ich freue mich total darüber. Mein Stoffvorat ist auch deutlich zu groß und deshalb bin ich dazu übergegangen, hauptsächlich nur noch gezielt Stoff zu kaufen, den ich speziell für ein vorgenommenes Projekt benötige.

    Bei Kinderkleidung habe ich kein Problem damit, dass die Kinder relativ schnell rauswachsen (was später dann ja auch nicht mehr ganz so extrem schnell geht), mit 4 Kindern werden die Dinge dann insgesamt einfach doch ausgiebig getragen. Klar bekommen auch die Jüngeren mal was Neues und auch unsere einzige Tochter mal was typische Mädchenhaftes (das erbt dann eben ein jüngeres Mädchen im Freundeskreis), aber einfach nicht so häufig.

    Liebe Grüße
    Lilo

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  5. Ja, ich habe auch ein Stoff-Shopping-Problem, aber zumindest versuche ich inzwischen bewusster zu kaufen und neutralere Stoffe zu wählen, die besser kombinierbar sind und einfach auch nicht gleich immer "selfmade" aussehen.
    Dein Shirt gefällt mir gut und die mehrfarbige Covernaht hat was :-)
    Liebe Grüße,
    Anni

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  6. Kombinierbare Musterstoffe mit gleichen Farben über Jahre hinweg wäre eine klasse Idee!
    Mir ging das auch so - ich habe einen tollen Musterstoff gesehen und schon gekauft & zum Shirt vernäht. Irgendwie war zwar alles schön bunt, aber zusammen gepasst hat es nicht wirklich.
    Seit einiger Zeit überlege ich mir vorher genau, was ich aus dem Stoff nähen möchte. Richtig am Ziel angekommen bin ich noch nicht - aber auf einem guten Weg denke ich :-)
    Ich habe zum Beispiel fünf Meter dunkelblauen Jersey gekauft - den kombiniere ich mit gemusterten Stoffen und somit passt alles ein bißchen besser zusammen.
    Viele Grüße & ein schönes Wochenende, Anja

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  7. Die Naht sieht so toll aus. Was ist das für eine ?
    LG Silvi

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